Ein GTM-Setup aus Agenten: Orchestrator, Kundenteams, Freigabe
Wie ein GTM-Org-Chart ohne Menschen aussieht: ein Orchestrator, je Kunde ein Agenten-Team für Outbound, ein Content-Agent mit Slack-Freigabe — und die Regel, die alles zusammenhält.
Unser GTM-Organigramm hat keine Menschen darin. Oben steht ein Orchestrator, darunter hängt pro Kunde ein Team, daneben läuft ein Content-Agent. Dieses Playbook beschreibt den Aufbau so, dass du ihn nachbauen kannst — einschließlich der Stelle, an der er absichtlich stehen bleibt.

Eine Vorbemerkung, damit die Erwartung stimmt: Die fünf Termine pro Tag in der Grafik sind die Zielgröße, auf die das Setup ausgelegt ist. Sie sind kein gemessener Durchschnitt. Wer dir ein Agenten-Setup mit garantierten Terminzahlen verkauft, verkauft dir eine Zahl, die er nicht kennt.
1. Der Orchestrator
An der Spitze steht ein einzelner Agent, der die anderen anstößt und berichtet. Bei uns läuft dafür OpenClaw, ein selbst gehosteter Gateway, der Chat-Apps mit KI-Agenten verbindet. Er heißt Mr Krabs, weil ein Name aus einer Zeichentrickserie im Slack-Kanal schneller auffällt als „Orchestrator-Instanz 1”.
Drei Entscheidungen beim Aufsetzen sind wichtiger als die Wahl des Werkzeugs:
Der Orchestrator läuft isoliert. Er sieht genau die Verzeichnisse, die er für seine Arbeit braucht, und sonst nichts. Kein Zugriff auf deine übrigen Projekte, kein Docker-Socket, keine Verbindung zu Diensten, die auf dem Host lauschen. Wenn er später an einem bestimmten Repository arbeiten soll, bekommt er genau dieses eine Verzeichnis dazu — nie den ganzen Baum.
Er ist nicht aus dem Internet erreichbar. Die Steuerungsoberfläche hängt in einem privaten Netz. Ein Agent mit Zugriff auf Postfächer, CRM und Versand ist ein Ziel; er gehört nicht auf eine öffentliche Adresse.
Er läuft auf Abonnements, nicht auf einem Pay-per-Token-Schlüssel. Das klingt nach Buchhaltung, ist aber eine Architekturentscheidung: Ein Agent, der stündlich arbeitet, erzeugt bei Abrechnung pro Token eine Kostenkurve, die niemand vorher abschätzt.
2. Ein Team je Kunde
Unter dem Orchestrator hängt pro Kunde ein eigenes Team. Die Trennung ist keine Kosmetik: Jeder Kunde hat eigene Daten, eigenes Wissen über sein ICP, eigene Absender und eigene Grenzen. Ein gemeinsames Team über mehrere Kunden hinweg führt früher oder später dazu, dass ein Learning aus Kunde A in einer Nachricht an Kunde B landet.
Jedes Team besteht aus vier Rollen:
- Research — findet Unternehmen und Ansprechpartner, reichert an, sammelt Signale.
- Qualifizierung — bewertet gegen das ICP des Kunden und begründet die Bewertung. Die Begründung ist der Teil, der zählt: Ein Score ohne Begründung ist ein Bauchgefühl mit Nachkommastelle.
- Outbound über E-Mail und LinkedIn — schreibt und versendet die Sequenz.
- Antworten und Termin — klassifiziert eingehende Antworten und führt die positiven in einen Termin.
Die Reihenfolge ist zugleich die Reihenfolge, in der du sie aufbaust. Wer mit Rolle 3 anfängt, baut eine Maschine, die schnell die falschen Leute anschreibt.
3. Der Content-Agent
Neben den Kundenteams läuft ein Agent, der nichts verkauft: Er sucht Themen, schreibt einen Entwurf und legt ihn zur Freigabe vor. Drei Schritte, und der dritte ist der wichtigste.
- Ideen — aus dem, was in der eigenen Arbeit tatsächlich passiert ist. Ein Content-Agent, der sich Themen ausdenkt, produziert Füllmaterial.
- Entwurf — Text plus fertige Grafik. Nicht Text mit dem Versprechen einer Grafik: Freigeben kann man nur, was man sieht.
- Freigabe in Slack — eine Karte im Kanal, zwei Reaktionen darunter. Ein Haken heißt weiter, ein Kreuz heißt verworfen.
Der Entwurf landet danach als Draft im Posting-System, nicht als geplanter Beitrag. Der Slot ist eine menschliche Entscheidung.
4. Der Tagesbericht
Einmal täglich, bei uns um acht, läuft ein Durchgang, der ausschließlich liest: Zahlen je Kunde, neue Antworten, offene Entscheidungen, Zustand der Sicherungen. Ergebnis ist eine Nachricht in Slack, die auf ein Telefon passt.
Zwei Eigenschaften machen den Unterschied:
Der Lauf ist schreibgeschützt. Er sendet nichts, ändert nichts, trägt nichts ein. Ein Bericht, der nebenbei handeln darf, ist kein Bericht.
Er nennt eine Entscheidungsliste. Der letzte Abschnitt heißt „wartet auf dich” und enthält Punkte, die sich mit einem Wort beantworten lassen. Alles andere im Bericht ist Kontext; dieser Abschnitt ist die eigentliche Arbeit.
5. Die Regel, die alles zusammenhält
Das Setup darf recherchieren, bewerten, entwerfen, vorschlagen und berichten. Es darf nicht eigenständig senden oder löschen. Diese beiden Verben sind der Unterschied zwischen einem Assistenten und einem Risiko: Alles andere ist rückgängig zu machen, eine verschickte Nachricht und ein gelöschter Datensatz nicht.
Praktisch heißt das dreierlei:
- Eine Automatik wird von einem Menschen scharfgeschaltet, nicht von einem Agenten.
- Neue Inhalte gehen als Draft raus, nie direkt live.
- Was einen Menschen außerhalb des eigenen Systems berührt, braucht eine Freigabe.
Die unangenehme Ehrlichkeit dazu: Eine einmal scharfgeschaltete Sequenz sendet ihre Folgeschritte danach selbst. Die Freigabe sitzt am Einschalten, nicht an jeder einzelnen Nachricht. Wer etwas anderes behauptet, hat entweder ein anderes System oder nicht genau hingesehen.
6. Die Reihenfolge beim Nachbauen
- Orchestrator isoliert aufsetzen, nur im privaten Netz erreichbar.
- Chat-Kanal anbinden und eine Person als Entscheider festlegen. Ohne das zählt die Reaktion jedes Kanalmitglieds als Freigabe.
- Den schreibgeschützten Tagesbericht bauen. Er ist der billigste Teil und der, der am schnellsten Vertrauen erzeugt.
- Ein einziges Kundenteam aufbauen, Rolle 1 bis 4, und laufen lassen, bis die Antworten stimmen.
- Erst danach das zweite Team. Zwei Teams mit demselben ungelösten Problem sind zwei Probleme.
- Content-Agent zuletzt. Er ist der sichtbarste Teil und der, den man am ehesten überschätzt.
Wenn du an Schritt 3 merkst, dass der Bericht niemanden interessiert, liegt das fast nie am Agenten. Es liegt daran, dass die Zahlen darin keine Entscheidung auslösen. Dann ist die Entscheidungsliste zu bauen, nicht der nächste Agent.
Nächster Schritt
GTM Goat setzt genau das um, was Sie gerade gelesen haben.